© Annette Schelb, 2001

Happy Bärsday - der Goldbär wird 80

Ein buntes Fruchtgummi wird gefeiert

Bonn. Für den klitzekleinen Hunger zwischendurch, davor oder danach. Er wird immer gern genascht, der fruchtige Zwerg, der aus der Tüte kommt. Er ist beliebt wie kein anderer, denn schließlich ist er der farbenfrohe Bär zum Lutschen, Kauen und Genießen, der goldbärig süß die Zunge verwöhnt, an den Zähnen klebt (und manchmal auch woanders) und einfach so gut schmeckt, dass die Geschmacksknospen erst dann Ruhe geben, wenn wirklich das allerletzte Bärchen aus dem Beutel geklaubt ist.
Seit 80 Jahren lassen sich nicht nur Kinder das bunte Gummitierchen auf der Zunge zergehen, sondern auch Erwachsene greifen gerne in die Goldbärentüte. Oft kann man sich auch beim Friseur oder im Reisebüro aus einem Schälchen mit der farbenfrohen Pracht bedienen.
Gegründet wurde HARIBO, das bärenproduzierende Unternehmen, von HAns RIegel in BOnn. Begonnen hat alles in einer Hinterhofküche in einem Bonner Vorort. Der Tanzbär, der Vorläufer des später weltberühmten Goldbären, wird 1922 von Hans Riegel aus der Taufe gehoben. Drei Jahre später folgt die nicht minder berühmte und beliebte HARIBO-Lakritzschnecke. Der richtig große Erfolg für die Firma stellt sich jedoch erst ein, als zu Beginn der dreißiger Jahre ein Werbespruch das Schaufenster der Verkaufsstelle in Bonn-Kessenich, alle Kartonagen und die Fahrzeuge, die die HARIBO-Produkte in ganz Deutschland ausfahren, schmückt. Er besteht vorläufig nur aus dem ersten Teil des auch heute verwendeten Slogans: „HARIBO macht Kinder froh“.
In der Zeit des Wirtschaftswunders ergänzt man diesen ersten Teil mit dem Zusatz „und Erwachsene ebenso“. Dieser Werbespruch ist der bekannteste in ganz Deutschland überhaupt. 77 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen den Slogan, mit dem die Firma für ihre Erzeugnisse wirbt.


Der Stoff, aus dem die Bären sind

Zucker, das weiße Gold


Erst die Neuzeit macht Zuckerbäckerwaren für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich. Durch die von Napoleon im Jahre 1806 über ganz Europa verhängte Kontinentalsperre wird der Import von Rohrzucker unmöglich, sodass man zur Produktion von Süßwaren auf Rübenzucker umsteigt, der in großen Mengen erhältlich ist und entsprechend billig vermarktet werden kann.

Gummi arabicum

Im 19. Jahrhundert finden experimentierfreudige Zuckerbäcker heraus, dass man Zucker – vorzugsweise in Kombination mit Frucht- und Aromastoffen - mit dem Harz eines bestimmten Akazienbaumes, dem Gummi arabicum, problemlos zu Süßigkeiten und eben auch zu Gummibonbons verarbeiten kann. Leider verteuert sich das Gummi arabicum so sehr, dass die Süßwarenbranche auf andere Grundstoffe wie Gelatine, Agar-Agar, modifizierte Stärke und Pektine umsteigen muss.
Die aus den Ersatzstoffen hergestellten Gummibonbons haben allerdings eine andere Konsistenz und ein anderes Kau- und Geschmackserlebnis als die unter Zuhilfenahme von Gummi arabicum hergestellten Vorläufer.


Die Rezeptur

Die Goldbären entstehen aus einer Mixtur von Glukosesirup (macht sie durchsichtig), Dextrose (macht sie süß) und Gelatine (gibt ihnen die Konsistenz von Gummi). Die fünf Farben der Goldbären werden durch Mischungen aus den Fruchtzubereitungen Cassis (schwarze Johannisbeere), Orange, Zitrone und Kiwi-Apfel erzielt. Für die Produktion wird seit Jahren ausschließlich Schweine-Gelatine verwendet.


Die Herstellung

Die Grundsubstanz wird angerührt, erhitzt und in eine zähflüssige Masse verwandelt, die permanent umgerührt wird. Über Rohrleitungen wird eine Maschine mit der angerührten Mixtur bestückt. Dann werden die separat vorbereiteten Aromen und natürlichen Farben hinzugegeben. Auf einer Art Fließband führt die Maschine flache Kästen heran, die randvoll und glattgestrichen mit feiner weißpuderiger Maisstärke gefüllt sind. Von oben pressen sich – auf einem Brett gleicher Größe angebracht – über 500 Goldbären aus Gips in das Maispuder, sodass im Puder deren Abdrücke zurückbleiben. Das Brett bewegt sich weiter, und in Sekundenbruchteilen wird die flüssige Mixtur aus Düsen in die Negativformen gegossen. Auf diese Weise also werden die Goldbären so richtig in Form gebracht. Nach einer speziellen Behandlung, die den Bären ihr glänzendes Aussehen verleiht, gehen die Gummitierchen, in handelsübliche Einheiten abgepackt, nun an Kunden und Kundinnen in aller Welt.


Zur Genealogie der Familie Bär

Die Vorfahren


Der Urahn des Goldbären war der 1922 von Hans Riegel ins Leben gerufene Tanzbär, das eigentliche Geburtstagskind. Der Stammvater von einst war größer als der heutige Goldbär, aber auch schlanker und magerer. Zwei Bären kosteten damals übrigens einen Pfennig.
In den fünfziger Jahren gab es Nachwuchs auf dem Bärenmarkt. Der Teddybär erblickt das Licht der Welt. Er fällt getreu der Devise: Was dem einen der Teddy zum Kuscheln, ist dem anderen der Teddy zum Naschen, kleiner und rundlicher aus als der Tanzbär.
Als echter Nachfolger des Tanzbären taucht in den Wirtschaftswunderjahren der Goldbär auf, der in den nächsten Jahrzehnten für Furore sorgt. 1967 wird er offiziell als eingetragenes Warenzeichen anerkannt.

1968, im Jahr der großen Studentenunruhen, wechselt der Goldbär Verpackung und Logo. Noch mehrmals werden die Verpackungen geändert, und der „Echte Goldbär“ wird in Form und Farbe noch einmal geringfügig verändert.
Mit diesem Produkt kann der Hersteller den Mund ruhig vollnehmen
Goldige Umsätze garantiert der Goldbär dem Handel im In- und Ausland seit Jahren, und auch in der Zukunft wird er der Renner im Süßwaren-Regal sein.
Inzwischen ist der Goldbär längst Kultobjekt geworden. Er ziert u.a. Kleidung, Gegenstände, Spiele und Papierwaren. Und manchmal eben auch die Schälchen beim Friseur, wenn nicht der letzte Goldbär gerade von der Hand in den Mund gewandert ist.
Der Goldbär, der längst als Synonym für Fruchtgummi steht, hat es weltweit zu Erfolg gebracht. Und er ist seiner Geburtsstätte noch nicht untreu geworden, noch immer sind Produktionsstätten und Vertriebseinheiten in Bonn – und das, obwohl Bärlin namentlich doch viel besser zu den Bären passen würde.


Links zum Thema
http://www.haribo.com/

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