© Annette Schelb, 2001

Flughafen Frankfurt-Hahn


Der kleine Hahn wird flügge

Frankfurt-Hahn/Hunsrück. Vom Flair einer Großstadt wie Frankfurt ist hier nichts zu spüren. Der Stau bei der Anfahrt fällt weg, Hektik ist nicht angesagt, und Menschenmassen, die lange warten oder abgefertigt werden müssen, gibt es nicht. Der Flughafen Hahn ist im Hinblick auf die Ausstattung noch nicht sonderlich attraktiv, denn hier wird nicht in erster Linie in Luxus und Komfort investiert, hier wird auf dem Low-Cost-Level gearbeitet, um die Preise niedrig halten zu können. Somit verfolgt Hahn also ein ähnlich erfolgreiches Konzept wie Aldi, das sich auch im Hinblick auf die Entwicklung des Flughafens sukzessive durchsetzt: Qualität zum kleinen Preis. Während eine Airline hier für eine Boeing 737 mit 150 Passagieren pro Start und Landung rund 650 Euro zahlen muss, sind es in Rhein-Main fast 2.500 Euro.
Hahn, der mittlerweile auch als „führender Low-Cost-Airport in Deutschland“ bezeichnet wird, ist seit einigen Monaten Drehkreuz der Top Low-Cost-Carrier „Ryanair“ in Deutschland und damit die zweite kontinentale Basis der Ryanair in Europa – ein Meilenstein in der Entwicklung des Flughafens. Diese Entscheidung für Hahn fiel in einer Zeitphase, in der andere Airlines ihre Flüge reduzieren oder den Flugbetrieb sogar völlig einstellen mussten. Die Ausweitung der Geschäftsbeziehungen mit der irischen Fluggesellschaft kann die ehemalige amerikanische Airbase als phänomenales Plus auf dem Erfolgskonto „Passagierflüge“ verbuchen.


Ein Hahn, der goldene Eier legen kann

Für das Jahr 2002 wird eine Verdreifachung der Passagierzahlen von 2001 erwartet. Im Jahre 2001 wurden 450.774 Passagiere abgefertigt, für das Jahr 2002 rechnet die Flughafengesellschaft mit circa 1,2 Millionen Fluggästen.
Wegen der ständig steigenden Abfertigungszahlen hat die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH Ende letzten Jahres 54 Millionen Mark für den Ausbau der Flughafen-Infrastruktur und weitere 1,5 Millionen Euro für eine großzügigere Einfahrt und weitere Parkflächen beschlossen.
Selbstverständlich schlägt sich die Vergrößerung des Airports und die gestiegene Zahl der Fluggäste auch positiv in den Beschäftigungszahlen nieder. 2001 stieg die Zahl der Arbeitsplätze um rund 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Im Januar 2002 beschließen die Gesellschafter der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, die Fraport AG und das Land Rheinland-Pfalz (die Fraport AG hält 73,07 Prozent, das Land Rheinland-Pfalz 26,93 Prozent der Anteile) eine Erhöhung des Eigenkapitals der Flughafengesellschaft von 3,5 Millionen auf 30,5 (!) Millionen Euro. Das Geld fließt in den weiteren Ausbau des Flughafens, unter anderem in die Erweiterung des Passagierterminals und die Verlängerung der Start- und Landebahn. Eine Kapitalerhöhung in dieser Höhe zeigt, welche Zukunftserwartungen die Gesellschafter in die Entwicklung des Flughafens Frankfurt-Hahn setzen. Immerhin ist der Airport der derzeit am schnellsten wachsende Verkehrsflughafen in Deutschland, und er hat einen festen Platz im Flughafensystem Frankfurt gefunden.
Bis 2006 sollen rund 500 Millionen Euro in den weiteren Ausbau investiert werden. Zugleich soll die Bundesstraße 50 vierspurig ausgebaut werden, ein Bahnanschluss wird angestrebt. Auch über die Magnetbahn wird sinniert.


Ryanair beflügelt Hahn

Seit der Eröffnung des ersten Drehkreuzes von Ryanair im Februar 2002 wird täglich geflogen. Zu schottischen Preisen bietet die irische Fluglinie zehn unterschiedliche Ziele in England, Frankreich, Italien, Irland, Norwegen und Schottland an.
Die erste Flugverbindung von Ryanair nach Deutschland wurde im April 1999 eingerichtet. Vor der Eröffnung des Drehkreuzes gab es täglich drei Flüge zwischen London-Stansted und Frankfurt-Hahn sowie einen Flug täglich zwischen Glasgow-Prestwick und einen zwischen Shannon nach Hahn. Im Jahr 2001 beförderte Ryanair rund 400.000 Passagiere auf diesen Stecken.
Mit der Einrichtung des Ryanair-Hubs am Flughafen Frankfurt-Hahn wurden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt sind nun 1.700 Personen am Standort Flughafen Frankfurt-Hahn beschäftigt. Dies entspricht einer Steigerung von 5,5 Prozent gegenüber der letzten Zählung im Oktober 2001.
Im Gegensatz zu Rhein-Main oder auch zu Luxemburg gibt es hier kein Nachtflug-Verbot. Das ist vor allem für den Luftfrachtverkehr wichtig - das Segment, das Hahn anfangs am stärksten nutzte. Ende der neunziger Jahre setzten dann auch die Billig-Airlines zum Sprung nach Deutschland an. Heute verteilen sich die 30 Starts und Landungen zur Hälfte auf Passagier- und Frachtverkehr. Zu den besten Cargo-Kunden gehören Aeroflot und Air France. Nächstes Ziel: Man will einen der großen Paket-Dienstleister wie UPS oder DHL als Kunden gewinnen.


Großes Federlesen

Doch auch auf anderen Gebieten will sich der Flughafen Hahn entwickeln, so will er sich z.B. zum Messestandort mausern. Vom 12. bis zum 14.03.2002 fand dort die erste Schweden-Tourismus-Messe statt. Floh- und Trödelmärkte finden auf dem Flughafengelände statt.
Und eine Firma, die im Bereich Eventservice arbeitet, bietet seit Januar die Möglichkeit, Veranstaltungen aller Art wie Open-Air-Kino, Konzerte, Ausstellung, Messen und mehr in der Kultur- und Eventarena Hahn durchzuführen. Auf 70.000 m² Grundfläche stehen zudem sieben Shelter mit je 330 m² überdachter Fläche zur Verfügung.


Hahnebüchenes

Auch einen Rechtsstreit hat Frankfurt-Hahn schon hinter sich. Da der Flughafen Hahn exakt 114 km von der Mainmetropole Frankfurt entfernt liegt, sollte Hahn auf den Zusatz „Frankfurt“ verzichten. Das Landgericht Köln hat allerdings entschieden, dass der Name fortgeführt werden darf. Gleichwohl sei eine Aufklärung der VerbraucherInnen in der Werbung geboten.


Resümee

Der Flughafen Frankfurt Hahn hat einen Steilflug hinter sich, Ende noch nicht abzusehen. Das „Aldi-Prinzip“ hat sich auch hier bewährt: wenig Komfort, wenig Luxus, Billiganbieter, aber dieselbe Qualität und Sicherheit bei den Starts und Landungen. Und Ryanair, über den das Segment „Passagierflüge“ hauptsächlich abgewickelt wird, bietet selbstverständlich dieselben Sicherheitsstandards wie die großen Fluggesellschaften.
Kein Wunder also, dass Hahn nicht nur von Studenten und Familien, sondern auch von Geschäftskunden genutzt wird. Reisende, die gestutzte Flugpreise bevorzugen, dürfen wohl rosigen Zeiten entgegensehen, denn der im Herzen Deutschlands liegende Flughafen will seine Effektivität weiter ausbauen.

www.hahn-airport.de
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