© Annette Schelb, 1999

Libretto in Liedvorlage zur Rock-Oper „Romeo und Julia“ von G. Siantis
ergänzender Text zu T. Braschs Shakespeare-Übersetzung

Bühnenverleger

Julia auf dem Balkon, von der Macht und dem Glück der Liebe zu Romeo überwältigt (unter sich die Menschenmenge)


Ihr armen Menschen, die Ihr etwas sucht
Und doch nicht wißt, was es denn wirklich ist
Die Ihr dem Leben und der Liebe flucht
Und Euch im Grunde selber nur vermißt.

Habt Ihr schon jemals einen Traum in Euch gefühlt
Oder die Welt statt Eures Herzens Schlagen
Hat Euch die Leidenschaft im Grunde aufgewühlt
Und fühltet Ihr Verzweiflung an Euch nagen?

Ihr seid – ach Gott! – in tote Hüllen eingezwängt
Gefangen – merkt Ihrs nicht? – in Ketten
Ihr seid – o Graus! – in diese schöne Welt gehängt
Und zappelt tumb herum wie Marionetten.

Bevor ich sterbe, will ich gewisslich leben
Mit Dir, der meine größte Sehnsucht ist
Ich werde alles, was ich hab, Dir geben

Weil Du die Liebe meines Lebens bist
Bin ich auf immer Dein
Auf ewig Dein
Und noch viel länger will ich bei Dir sein.

Dein Blick war Feuer, ich ein trockner Docht
Jungfräulich rein noch, unberührt und nie entflammt
Bisher hat niemand mich zu frein vermocht
Bisher war ich – wie die – (mit dem Finger nach unten deutend) zum Leben in der Einsamkeit verbannt.

Doch dann kamst Du mit Deiner großen Wärme
Und diesem Licht, das böse Schatten bannt
Und auch die Furcht, die Trauer und die Härme
Die ich seit jeher in mir selber fand.

Du bist die Antwort auf so viele Fragen
Die sich mir stellten, seit ich denken kann.
Mit Dir zusammen will ich Neues wagen
Das Unbekannte zieht uns beide magisch an.

Nie wieder werde ich wie all die andern
Da unten durch die Niemandsgasse gehen
Nie wieder Jammertäler trüb durchwandern
Ich werde mich ab jetzt in Deinen Augen sehn.

Und sehe: Ich bin einzigartig
Für Dich und damit für die ganze Welt
Und dieses Wesen bin ich nun und ward ich
Allein durch Dich, mein Romeo, mein Held.

Drum schwöre ich bei allem, was gewiss ist
Bei allem, was ich war und werde oder bin
Den heil’gen Schwur, den du mir wert bist:

Ich geb’ mich ewig Deinen Händen hin.
Für immer Dein
Auf ewig Dein
Und noch viel länger will ich bei Dir sein.

Mein Herz ist voll wie eine reine Quelle
Aus der das Wasser fruchtbar quillt
Und leise murmelt, plätschert bis zu jener Stelle
Wo das Gefließ zum Strom, zum Rausch anschwillt.

Es gibt kein Zweifeln mehr, Gedanken tanzen
Zerrissenheit schmilzt plötzlich hin, wird eins
Mit Dir, der Welt, dem Kosmos und dem Ganzen
Und all dies Glück – durch Dich – ist meins.

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