© Annette Schelb


Kompottgedicht


Es liebte einst ein Kirschenbaum
Ein süßes Pflaumenbäumchen
Und träumte seinen Liebestraum
von vielen bunten Pfläumchen.

Sie stand weit weg,
ach, viel zu weit
Am selben Fleck
auf Lebenszeit.

Ein Blatt von ihm flog zu ihr hin
Und brachte Liebesgrüße
„Du machst es, dass ich trunken bin
Vor Liebe, meine Süße.“

Doch sie wuchs stolz
Zum Sonnenlicht
Sein Kirschbaumholz
Gefiel ihr nicht.

Er trug es standhaft; von Natur
Blieb er an seinem Platz
Der Wind trug seinen Liebesschwur
Zu einem Kirschbaumschatz.

Und der Gehalt
An feinstem Samen
Bewirkte bald
Dass Kirschen kamen.

Doch auch des Kirschbaums erster Traum
War voll und reif behangen
Sein heiß geliebter Pflaumenbaum
Fing lila an zu prangen.

Voll jeder Ast
Was sie genierte
Weil sie sich fast
Vergeblich zierte.

Ihr Nein zu Kirschbaumens Verlangen
War letztlich einerlei
Denn beider Obst ist hingegangen
In einem Topf zu Vielfruchtbrei.

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