© Annette Schelb, 1998



LATEX-ALLERGIE (Allergie auf natürlichen Latex)
- ein Leitfaden für Patienten mit allergischem Krankheitsbild


Der vorliegende Leitfaden wurde vom Kanadischen Verband für Allergologie und Klinische Immunologie (CSACI) erstellt. Der CSACI  wurde hierbei unterstützt von der Task Force on Latex Allergies of the Medical Devices Bureau of Health, Canada (Fachabteilung für den Bereich Latex-Allergien in der medizinischen Gesundheitsbehörde Kanadas).


Federführende Autoren waren:


Dr. G. Sussman MD
(Universität Toronto)
Dr. M. A. Drouin MD
(Universität Ottawa)
Dr. F.E. Hargreave MD
(Mc Master University)
A. Douglas
(Kanadische Gesundheitsbehörde)
Dr. K. Turjanmaa MD
(Universität Tampere, Finnland).



Natürlicher Latex - was ist das?

Natürlicher Latex ist ein spezieller Gummi, der aus dem Saft von Gummibäumen hergestellt wird. Der Saft des Gummibaums - also die eigentliche natürliche Latexbasis - ist eine milchig trübe Flüssigkeit mit einem hohen Anteil an natürlichem Latex, welcher ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung verschiedener Produkte ist. Die Übersicht A (Table A) gibt einen Überblick über die gebräuchlichsten, auf Latexbasis hergestellten Produkte.
Mit dem bloßen Auge ist nicht erkennbar, ob ein Produkt auf der Basis des natürlichen Latexhergestellt wurde; jedes aus gummiartigem Material gefertigte Objekt kann theoretisch mit Hilfe dieses Stoffes hergestellt worden sein, ebensogut könnte es aber auch aus synthetischem Material (mit Latexanteil) bestehen. Auch nicht-elastische Gegenstände können mit natürlichem Latex ummantelt sein.
„Latex“ wiederum bedeutet nicht unbedingt „natürlicher Latex“. Latex-Anstriche und Latex-Ummantelungen sind synthetische Materialien, die nicht zwangsläufig Latex enthalten müssen.


Was ist eine „Latex-Allergie“?

Eine „Latex-Allergie“ ist eine Allergie auf Produkte, die aus natürlichem Latex hergestellt wurden. Menschen mit einer Latex-Allergie reagieren auf die Proteine des Gummibaums, und diese sind auch in auf Latexbasis hergestellten Produkten immer noch enthalten.
Die auf der Basis des natürlichen Latex hergestellten Produkte enthalten in der Regel eine Reihe von chemischen Zusätzen. Einige Leute reagieren nicht auf den natürlichen Latex selbst, sondern auf die chemischen Zusätze, die in aus natürlichem Latex hergestellten Produkten nachweisbar sind. Ihr Allergologe kann feststellen, auf welche Allergene Sie reagieren. Sollten Sie auf chemische Substanzen reagieren, werden Sie wahrscheinlich eine sog. „Gummiallergie“ haben. In diesem Falle sollten Sie sich wegen weiterer Tests an Ihren Dermatologen wenden.


Sind bestimmte Gruppen besonders gefährdet, eine Latex-Allergie zu entwickeln?

Während der vergangenen fünf Jahre ist die Zahl der Menschen mit Latex-Allergie nachweislich gestiegen, und man geht inzwischen davon aus, daß dies primär auf den Gebrauch von Gummihandschuhen aus natürlichem Latex in ärztlichen und zahnärztlichen Praxen zurückzuführen ist.
Das größte Risiko, eine Latex-Allergie zu haben oder zu entwickeln, haben Menschen, die bereits von einer anderen Allergie wie z.B. Heuschnupfen betroffen sind und die regelmäßig Produkte benutzen, die auf der Basis des natürlichen Latex hergestellt wurden. Als besonders gefährdete Risikogruppe werden Menschen eingestuft, die jeden Tag Gummihandschuhe bei der Ausübung ihres Berufs verwenden. Hierzu zählen Ärzte, Krankenschwestern, Zahnärzte, Menschen in anderen zahnmedizinischen Berufen und Zahnarzthelferinnen.

Kinder mit einem bestimmten medizinischen Krankheitsbild (wie z. B. Spina bifida), die zwangsläufig immer wieder mit Produkten in Berührung kommen, die auf der Basis des natürlichen Latex hergestellt wurden, reagieren ebenfalls häufig allergisch auf diesen Stoff.
Meistens beginnt eine Latex-Allergie beim Gebrauch von Handschuhen auf Latexbasis mit einem Ausschlag auf den Händen. Andere allergische Symptome sind heuschnupfenartige Reaktionen wie juckende und geschwollene Augen, laufende Nase und Niesen. Manche Patienten entwickeln asthmaähnliche Symptome wie Engegefühl in der Brust, Keuchen, Husten und Kurzatmigkeit. Aber: Nicht unbedingt jeder, der beim Gebrauch von Gummihandschuhen mit Hautirritationen auf den Händen reagiert, ist Latex-Allergiker.


Wie erkennt man Latex- und Gummi-Allergien?

Risikogefährdete Patienten oder Patienten mit den Symptomen einer möglichen Latex-Allergie sollten sich von einem auf diesem Gebiet spezialisierten Allergologen austesten lassen. Der Prick-Hauttest zur Erkennung von (Latex-)Allergien ist eine sehr genaue und sichere Methode bei der Ermittlung potentieller Allergiepatienten. Mit weiteren Hauttests kann festgestellt werden, ob Allergien auf natürlichen Latex selbst oder auf die dieser Substanz beigefügten chemischen Zusatzstoffe bestehen.


Kann sich eine Latex-Allergie verschlimmern?

Man muß davon ausgehen, daß sich die Allergie bei fortgesetztem Kontakt mit Latex verstärkt. Sollten Sie nur eine geringe Bereitschaft haben, auf Latex zu reagieren, so ist es ratsam, den Kontakt mit Latexprodukten so weit wie möglich einzuschränken, um das Risiko einer zunehmenden Sensibilisierung nicht zu erhöhen.
Sollten Sie beim Kontakt mit Latexprodukten auch unter den oben beschriebenen Heuschnupfen-Symptomen leiden, besteht durchaus die Möglichkeit, daß Sie beim fortgesetzten Kontakt mit Latexprodukten Asthma entwickeln.


Kann eine Latex-Allergie lebensbedrohlich werden?

Obwohl dies eher ungewöhnlich ist, können manche von Latex-Allergie betroffene Menschen eine lebensbedrohliche Reaktion zeigen, sobald sie mit natürlichem Latex in Berührung kommen.

Dieser sogenannte Anaphylaktische Schock tritt innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Symptomatisch sind Nesselausschlag, Atemnot und niedriger Blutdruck. Der Anaphylaktische Schock kann tödlich sein und muß sofort mit Adrenalininjektionen behandelt werden.

Der Anaphylaktische Schock tritt meistens nach direktem Hautkontakt mit Produkten auf, die auf der Basis des natürlichen Latex hergestellt wurden. Direkter Kontakt ist dann gegeben, wenn die schützende Hautschicht defekt und damit durchlässig ist. Auch über die Schleimhaut ist der direkte Kontakt möglich, im Mund zum Beispiel beim Aufblasen eines Ballons, bei zahnchirurgischen Eingriffen, in der Vagina durch die Benutzung eines Kondoms, bei Vaginaluntersuchungen; im Rektum und im Darm durch entsprechende Untersuchungen oder die Verwendung eines Klistiers; in der Harnröhre bei der Katheterisierung.
Direkter Kontakt mit dem menschlichen Gewebe ist während eines chirurgischen Eingriffs gegeben, da Chirurgen bei der Operation normalerweise Handschuhe tragen, die aus natürlichem Latex hergestellt wurden.


Kann die Latex-Allergie behandelt werden?

Bisher gibt es noch keine Behandlungsmethode bei Latex-Allergien. Die beste „Behandlung“ besteht darin, den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden. Zur Linderung von temporär auftretenden Symptomen gibt es aber entsprechende Medikamente.


Wie können allergische Patienten vorbeugen?

Latex-Allergiker sollten bestimmte Verhaltensmaßregeln befolgen, um künftig allergischen Reaktionen vorzubeugen. Patienten mit geringer Allergiebereitschaft auf Latex-Produkte sollten folgende Verhaltensmaßregeln beachten: Patienten, die auf Latex sehr stark reagieren - die beispielsweise bei nur kurzer Berührung mit einem Ballon oder Handschuhen heftig reagieren - sollten zusätzlich folgende Regeln beachten:
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Krankenhaus.


Was wurde bisher getan, um Latex-Allergikern zu helfen?

Die kanadische Gesundheitsbehörde arbeitet mit Ärzten und Herstellern daran, die durch die Latex-Allergie bedingten Probleme zu lösen. Für Informationen wenden Sie sich bitte an die folgende Adresse:
Adresse und Name unkenntlich gemacht.
Beispiele von Produktgruppen, die meist auf der Basis des natürlichen Latex hergestellt sind, und Produkte aus Ersatzstoffen¹:

 
Produkte aus natürlichem Latex Produkte auf Ersatzbasis
 
Beruhigungsschnuller, Breisauger Silikon-Produkte
   
Für Schule und Büro  
Radiergummies, Bastelbedarf, Make-up
und Halloween Masken, Klebstoffe 
Produkte mit der Kennzeichnung  'Vinyl' oder 'Silicon'
   
Kleidung  
elastische Stoffe, Windeln, Unterwäsche Viele elastische Stoffe enthalten keinen Latex (z. B. 'Spandex' und 'Lycra'), elastische Gewebe aber enthalten oft Gummi.
Haushalt  
Haushaltshandschuhe Handschuhe sind die häufigste Ursache für den Allergen-Kontakt, weil über einen langen Zeitraum ein direkter Kontakt mit der Haut gegeben ist. Außerdem wird beim An- und Ausziehen allergieauslösender Staub freigesetzt. Benutzen Sie Handschuhe aus Nitril, Neopren, Vinyl oder Copolymer
   
Spielzeug und Sportartikel  
 
Ballons, Koosh Bälle (Weichgummibälle) Ballons, die aus Folienmaterial hergestellt sind, Lederbälle, Gummienten, Fußbälle, Volleybälle, ummantelte oder mit Klebeband umwickelte (Tennis-) Schläger
Wohnungseinrichtung  
 
Gummimatten,Teppichgummierung,
Schaumgummi
Die meisten Schaumgummis sind auf Polyurethan-Basis hergestellt und dürften keine Probleme verursachen.
Verhütung  
   
Kondome, Kondome für die Frau, Diaphragmas Kondome aus synthetischem Latex oder Membrankondome² auf natürlicher Basis
   
Medizinischer Bereich  
 
Medizinische Handschuhe sowie in der Zahnmedizin verwendete gummierte Blättchen zur Trockenlegung des Zahns Wie bei den Haushaltshandschuhen sollten Sie auch hier nur Handschuhe aus synthetischem Material benutzen.
 
Pflaster, Bandagen Einige Marken enthalten keinen natürlichen Latex.


¹ Es ist nahezu unmöglich, alle Artikel aufzuführen, die natürlichen Latex enthalten. Die allergieauslösende Wirkung von Produkten, die aus natürlichem Latex hergestellt sind oder die natürlichen Latex enthalten, kann allerdings durch sorgfältiges Waschen mit Wasser und Seife reduziert werden. Das Produkt sollte längere Zeit in viel Wasser eingeweicht werden. Das Abwischen der Oberfläche mit einem feuchten Tuch reicht nicht aus, um Allergene zu entfernen. Kleidungsstücke aus elastischem Gewebe, die natürlichen Latex enthalten können, sollten vor dem Tragen gewaschen und gebügelt werden.

² Membrankondome mögen Schutz vor Schwangerschaften und vielen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten. Gegen bestimmte virale Infektionen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden können - AIDS und Hepatitis eingeschlossen - bieten Sie jedoch nicht denselben Schutz wie herkömmliche Kondome aus natürlichem Latex.


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