© Annette Schelb, 2006

Lied für einen Chansonzirkel


Nachtschattentief

Der volle Mond hängt wie ein Euter
Prall und rund und zitzenlos.
Zwischen milchigmatten Sternen
Scheint er fahlgelb, nackt und bloß.

Und ich schlucke an der Liebe
Wie an einem Krümelrest
Trocken raut sie meine Kehle
Die mein Lachen bröseln lässt.

Über Nacht sind Unglücksraben
In den Bäumen aufgeblüht
Bröckeln Schatten in die Sonne
Schwarz, wie doppelt aufgebrüht.

Wie ein Nichts vor scharfen Rändern
Hängt die Nacht vorm gelben Mond
Hängt die Liebe in der Kehle
Die es nicht zu schlucken lohnt.

Gegen Mittag pflückt Dein Lächeln
Meine Seele und mein Herz
Vorsichtig vom Baum der Trauer
Achtsam aus der Blüte Schmerz.

<< Literarisches