© Annette Schelb, 2001

Der Posttower in Bonn

Größer, schöner, besser – ein Gigant lässt sich feiern


Bonn. Sie liegt in den letzten Zügen, die Fertigstellung des höchsten Bürogebäudes in Nordrhein Westfalen. Was Bonn durch den Umzug der Bundespolitik in die neue, alte Hauptstadt Berlin an Prestige verloren hat, macht es mit dem Bau des Posttowers wenigstens teilweise wieder wett. Denn es ist etwas ganz Besonderes, dieses futuristische Gebäude, das die zukünftige Firmenzentrale der Deutschen Post AG beheimaten wird. Entworfen wurde es von dem Architekten Helmut Jahn.

Gleich neben dem ‚Langen Eugen’, dem früheren Abgeordnetenhochhaus, und nicht weit vom Schürmann-Bau, zwischen dem Bonner Zentrum und Godesberg und in direkter Nähe zu den Rheinauen, einst Standort der Bundesgartenschau, heute der Treffpunkt im Grünen für die Bonner Stadtbevölkerung, und mit direktem Anschluss an die A 59 setzt der Tower einen völlig neuen Akzent in der Bonner Skyline.

Mit seinen 162,5 Höhenmetern überragt er den Kölner Dom, DAS Symbol für architektonische Meisterleistung im Rheinland schlechthin, um immerhin 5,12 Meter. Doch auch die Grundfläche hat es in sich: Mit seinen 41 m Breite und 81,10 m Länge  (Rohbau ohne Verkleidung) würde der Tower fast das perfekte doppeltquadratische Rechteck repräsentieren, eine selbst bei funktionalen Gebäuden nicht sehr häufig vorkommende geometrische Besonderheit, wenn er nicht doch die Form einer in der Mitte geteilten Ellipse hätte. Denn die Längen- und Breitenangaben basieren auf der Messung der Schnittlinie an der breitesten bzw. längsten Stelle.

Gesamtflächenmäßig übersteigt der Tower wohl die Vorstellungskraft der meisten Bürger und Bürgerinnen: 107.000 m² Fläche bietet das Gebäude mit seinen 40 überirdischen Etagen und seinen 5 Tiefgeschossen, die wiederum Platz für rund 600 Parkplätze bieten – genügend Raum also für die rund 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die voraussichtlich ab Herbst 2002 in den Räumlichkeiten des Post Towers arbeiten werden. Am Hochhaus befinden sich außerdem Sockelgebäude mit Gastronomie- und Konferenzbereichen.

Und über allem, nämlich ganz hoch oben, gewissermaßen auf der höchsten Stufe der Karriereleiter - und je nach Wetterlage quasi über den Wolken - wird Klaus Zumwinkel, der Vorstandschef der Deutschen Post AG, residieren.

Schöpfungsprozess und sein Materialverzehr

Klar, dass ein im Wachstum begriffener Gigant einen unglaublichen Hunger hat: Insgesamt werden für die Errichtung des Gebäudes 80.000 Kubikmeter Beton, 16.000 Tonnen Baustahl und 90.000 Quadratmeter Glas verbaut. 600 Menschen arbeiten Tag für Tag an der Entstehung des Towers, für den Innenausbau werden sogar 800 Menschen pro Tag zum Einsatz kommen.

Um die Anlieferung von zeitweise 400 Betonlieferungen pro Tag sicherzustellen, haben sich verschiedene Hersteller und Transportunternehmen zur Zusammenarbeit zusammengeschlossen.

Welchen Betrag der Tower nach der Fertigstellung insgesamt verschlungen haben wird?
Post-Sprecher Jürgen Blohm spricht von einem dreistelligen Millionenbetrag.

Der Post-Moderne Power-Tower

Entgegen anfänglicher Bedenken verschiedener Bürgerinitiativen, die das Landschaftsbild stark verschandelt sehen, stehen die Bonner und Bonnerinnen nach den Worten von Uwe Moog von der Deutschen Post Bauen GmbH jedoch dem ungewöhnlichen Bau inzwischen eher wohlwollend gegenüber. Auch viele Architekten haben Interesse daran, den Tower eingehend zu besichtigen.

Kein Wunder. Die beiden fast vollständig mit Glas verkleideten versetzten Ellipsenhälften beeindrucken in der Tat durch ihr außergewöhnliches Erscheinungsbild. Die zweischalige Glasfassade des Gebäudes sorgt für einen natürlichen Temperaturausgleich, sodass auf Klimaanlagen in den Büros verzichtet werden kann. Zeitgemäß ist auch die Versorgung des Gebäudes mit Solarenergie und der Einsatz anderer moderner, ökologisch sinnvoller Technologien. Diese beiden Faktoren tragen dazu bei, dass die Betriebskosten um rund 60 % (gegenüber herkömmlicher Bauweise und Ausstattung) gesenkt werden können.

Zwischen den Ellipsenhälften soll alle neun Etagen ein so genannter Sky-Garten entstehen, hierdurch wird das Gebäude in vier Abschnitte gegliedert. Die Fassade kann – über Computer gesteuert – in ineinander übergehenden Farben illuminiert werden. Doch auch ohne diese technische Spielerei ist der Bau in seinem kühlen, transparenten Outfit das architektonische Highlight in der Region.

Aber nicht nur, wenn man den Tower aus der Bürgersteigperspektive betrachtet, vermittelt er einen überwältigenden Eindruck. Auch wenn man ihm aufs Dach steigt, versorgt er das Auge mit optischem Futter. Nirgends ist der Blick auf Bonn und Umgebung so gut wie von hier oben. Bei schönem Wetter sieht man auf das Siebengebirge und sogar bis zum Kölner Dom.

Post-Skriptum oder: Veränderung erzeugt Veränderung erzeugt Veränderung

Das alte Regierungsviertel hat sich mit dem Posttower und anderen Tochterunternehmen, die sich in der Nähe angesiedelt haben, zum Postviertel gewandelt. Selbstverständlich hat sich das Bild des alten Regierungsviertels mit diesem Bauwerk grundlegend geändert. Es ist Geschmackssache, ob diese Veränderung gefällt oder nicht. Doch gleichgültig, ob der Tower nun manche Gemüter erregt - außer Frage steht, dass er ein höchst eigenwilliges Gebäude ist, das den Zeitgeist widerspiegelt und zeigt, dass Bürogebäude nicht zwangsläufig langweilig sein müssen.

Auf jeden Fall sichert der Einzug der Konzernzentrale in den Posttower den Standort Bonn und damit Arbeitsplätze. Auch der Bau des Towers hat für einen Konjunkturaufschwung bei den regionalen Baufirmen und Betonherstellern gesorgt, was sich in der Arbeitslosenstatistik und den Kassen des Finanzamts positiv niedergeschlagen haben dürfte.

Für Bonn, das in den letzten Jahren viele Veränderungen erlebt hat, hat die Deutsche Post AG ein Zeichen gesetzt und neue Perspektiven erschlossen.

http://www.deutschepost.de/ http://www.cfgbonn.de/post-tower.htm http://www.nrw2000.de/ausstellung/nrw/langereugen.htm
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